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Doris Dörrie: Man muss die Menschen wahrnehmen

Bild von Doris Dörrie

Offen für andere: Doris Dörrie (56) will Verbindungen zu allen Mitmenschen aufbauen.

Die deutsche Kult-Regisseurin ('Kirschblüten - Hanami') interessiert sich in ihren Filmen für alle Geschichten einer Gesellschaft und findet, dass man auch den Menschen, die am Rande leben, Aufmerksamkeit schenken sollte. Sie bemüht sich, auch gegenüber einem Bettler auf der Straße freundlich zu sein. "Ich versuche, eine Verbindung aufzunehmen und die Person wahrzunehmen, ganz egal, wer mich fragt. Ich glaube, das ist das Wichtigste, dass man wahrgenommen wird, auch wenn man obdachlos ist, dass man angeguckt wird. Und wenn ich Kleingeld dabei habe, gebe ich so oft ich kann", sagte die Professorin der Münchner Filmhochschule im Gespräch mit 'Planet Interview' und fügte hinzu, dass auch sie sich manchmal vom Stress des Alltags von ihren Zielen ablenken lässt: "Manchmal schaffe ich es nicht, dann ärgere ich mich oft im Nachhinein über mich, dass ich mir nicht doch den Moment Zeit genommen habe, um in meiner Tasche zu wühlen. Denn im Zweifelsfall ist es für mich jetzt nicht so schlimm, einen Euro rauszurücken."

Die Leute tun ihr leid, denn sie befänden sich in einer Notlage: "Ich gehe von der Prämisse aus, dass das niemand nur aus Jux und Tollerei macht. Niemand bettelt, weil es ihm Spaß macht. Und wenn man wirklich die Leute anschaut, dann kann man das glaube ich auch ganz gut erkennen", bekräftigte der Star.

In ihrem neuen Film 'Glück' erzählt sie die Liebesgeschichte eines Punk, der auf der Straße lebt, und einer Prostituierten. Um sich darauf vorzubereiten, hat die Entertainerin stundenlang Straßenszenen beobachtet: "Ich habe mich in Berlin lange an die Wilmersdorfer Straße gesetzt und beobachtet. Mich hat interessiert, wie diese Straße, wie die Struktur von so einem Stadtteil funktioniert. Und dann habe ich nachher zusammen mit Vinzenz Kiefer, der den Kalle spielt, auch sehr genau gemerkt, wie groß die Unterschiede sind, zum Beispiel dass die rechte Straßenseite sich komplett anders verhält als die linke. Je länger man da sitzt und guckt, desto größer wird der Kosmos, der sich vor einem auftut", berichtete Doris Dörrie von den aufwändigen Vorbereitungen für ihren neuen Film. © Cover Media



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