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Zement in der Rücken- und Zahnmedizin

Zement kennt jeder - insbesondere als Mauerelement, das es bereits seit 125 nach Christus gibt. Zement besitzt viele positive Eigenschaften wie Festigkeit und Dauerhaftigkeit und trotzt hartnäckig Umwelteinflüssen wie Regen.

Diese Beständigkeit haben auch die Mediziner erkannt und Zement in ihr Behandlungsspektrum aufgenommen.

„Verwendung findet er inzwischen nicht nur im Haus-, Hoch- oder Tiefbau, sondern auch in der Rücken- und Zahnmedizin“, weiß Priv.-Doz. Dr. Robert Pflugmacher, Oberarzt an der Klinik und Poliklinik für Orthopädie und Unfallchirurgie der Universitätsklinik Bonn.

Revolution in der Orthopädie
Zum ersten Mal eingesetzt wurde Zement in der Medizin im 20.Jahrhundert. Um Osteoporose Patienten besser helfen zu können, entwickelten zwei Mediziner im Jahr 1987 flüssiges Zement, der poröse
Wirbelfrakturen auffüllte und dem Rücken seine nötige Stabilität wiedergab. Die Vertebroplastie war geboren. „Leider kommt es bei diesem Verfahren öfter zu Zementaustritten, die schwere Komplikationen wie Lungenembolien oder Lähmungserscheinungen auslösen können“, erklärt Dr. Pflugmacher.

Ender der 90er Jahre wurde dieses Problem durch einen Ballon im Wirbelkörper behoben, der die Austrittsrate senkte.

2009 kam die große Revolution: Ein neuartiges und speziell entwickeltes Knochenzement. Dieser Zement ist zähflüssig wie Harz und garantiert den Medizinern einen kontrollierten Umgang beim Auffüllen der Wirbel und schont darüber hinaus die feinen Strukturen im
Knocheninneren. „Bei der sogenannten Radiofrequenz-Kyphoplastie aktivieren Radiowellen den besonderen Zement und härten ihn aus. Wirbelkörper werden auf ihr Ausgangsniveau angehoben und Rückenschmerzen gelindert“, betont Dr. Pflugmacher.

Das Beste: Die Patienten profitieren von einer kurzen Behandlungszeit und einer schnellen Rückkehr in ihren Alltag.

Auf den Zahn gekommen

Auch in der Zahnmedizin findet der neue Zement Einsatz. Zahnärzte nutzen ihn zum Beispiel beim Verschluss von Wurzelkanälen oder als provisorisches Füllmaterial. Durch seine besondere Klebefähigkeit dient er zur Befestigung von Kronen. Für Prothesen und Provisorien kommt ebenfalls
Zement zum Einsatz, jedoch ein ganz spezieller, bei dem bestimmte Metallsalze für die typische rosa Färbung sorgen.

Ob im Kampf gegen Osteoporose oder als Füllmaterial für Zähne - der widerstandsfähige Zement gehört mittlerweile nicht nur in der Bauindustrie sondern heute auch zum medizinischen Standard.



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