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Nabelschnurblut – Chance oder Risiko?

Nabelschnurblut - Chance oder Risiko?Alle Eltern wollen für ihre Kinder nur das Beste: Gesundheit, Glück, Erfolg. Doch mit der Gesundheit ist das so eine Sache, man hat sie nur selten unter absoluter Kontrolle: Ein Unfall, eine Autoimmunerkrankung oder Krebs – die Schreckgespenster des Schicksals können jeden treffen.

Aus diesem Grund ist es nur verständlich, wenn Eltern versuchen ihre Kinder gegen bestimmte Schicksalsschläge abzusichern. Seit einigen Jahren gehört dazu auch die Lagerung von Nabelschnurblut. Aus den im Nabelschnurblut enthaltenen Stammzellen sollen in Zukunft sogar Organe nachgezüchtet werden können.

Firmen werben mit diesen zukünftigen Erfolgen. Die Lagerung und Nutzung von embryonalen Stammzellen (Stammzellen eines Ungeborenen) ist in Deutschland nur unter strengsten Bedingungen in der Forschung erlaubt. Jedoch das Geschäft mit und die Nutzung der adulten Stammzellen (Stammzellen eines geborenen Menschen, dazu zählen auch die in der Nabelschnur enthaltenen) sind freigegeben.

Es stellt sich die Frage, ob die Lagerung der Stammzellen des gerade geborenen Kindes sinnvoll ist.

Experten sind hier geteilter Meinung. Im Folgenden will ForHer die Pro- und Contrapunkte der Diskussion für Euch darstellen.

Pro Nabelschnurblutlagerung
Der Marktführer in der Lagerung und Forschung mit, aus Nabelblut gewonnenen, Stammzellen Vita 34 wirbt auf seiner Homepage mit den bisherigen Erfolgen des Verfahrens.

So konnte einem kleinen Jungen aus Osnabrück, der an einer schweren Blutbildungsstörung litt, mit den Stammzellen aus dem Nabelschnurblut seines kleinen Bruders geholfen werden. Nach der Behandlung, die an der Medizinischen Hochschule in Hannover durchgeführt wurde, konnte der Junge ein ganz normales Leben führen und gilt als geheilt.

Gerade im Bereich der Blut-, Herz- und Gefäßerkrankungen kann schon jetzt viel getan werden, wenn man auf die jungen und ungeprägten Stammzellen zurückgreifen kann, die nach der Geburt eingelagert werden. Seit 11 Jahren ist diese Lagerung und Nutzung der adulten Stammzellen erlaubt.

Gerade die Möglichkeit in Zukunft noch mehr Krankheiten mithilfe der Stammzellen zu heilen, macht diese Methode so attraktiv. Bestimmte Formen der Leukämie, Diabetes und andere Erkrankungen sollen in Zukunft geheilt werden können.

Stromunabhängige Einlagerung des Nabelschnurbluts © VITA 34 AGAuch das Verfahren zur Einlagerung ist denkbar einfach: Nach der Geburt entnimmt der Arzt das Blut aus Nabelschnur und Plazenta, verpackt es und schickt es an das gewählte Unternehmen. Die Eltern müssen sich auf Kosten zwischen 2000 Euro und 200 Euro einstellen. Manche Unternehmen bieten einen geringen Startbetrag an und die Variante der Zahlung von monatlichen Beiträgen.

Man hat – im Gegensatz zu öffentlichen Nabelschnurblutbanken – hier die Sicherheit, dass die Blutkonserve des Kindes auch tatsächlich nur für das eigene Kind verwahrt wird. Bei öffentlichen Lagerbanken wird das Blut in eine Spenderkartei aufgenommen und kann so, falls man es selbst nie brauchen sollte, einem anderen Menschen eventuell das Leben retten.

Contra Nabelschnurblutlagerung

Zwar wirbt das Unternehmen Vita 34 mit der Heilung des kleinen Jungen aus Osnabrück, verschweigt jedoch, dass die Stammzellen aus dem Nabelschnurblut des Bruders nicht ausreichten und so noch Knochenmarksflüssigkeit dazu genommen werden musste. Kritische Experten meinten eine Nabelschnurblutspende sei hier nicht notwendig gewesen, man hätte auch auf die Knochenmarkspenderkartei zurückgreifen können.

Auch nicht sicher ist, ob die heutige, sehr teure Einlagerung des Nabelschnurblutes tatsächlich sinnvoll ist. Noch ist zudem nicht geklärt wie lange sich organisches Material einfrieren lässt, die Erfahrungswerte mit den eingefrorenen Blutbeuteln ist gerade mal 20 Jahre alt. Manche Medizinethiker sprechen hier von einem Geschäft mit der Angst um das eigene Kind.

Auch lassen sich die privaten Anbieter teuer bezahlen, dabei gibt es in manchen Kliniken ebenfalls die Möglichkeit das Nabelschnurblut, kostengünstiger, einzulagern. Nicht selten treten auch Frauenärzte als Vermittler zwischen den Unternehmen und den werdenden Eltern auf. Sie bekommen eine nicht geringe Provision gezahlt, für jeden neuen Kunden, den sie werben können.

Auch aus diesem Grund ist es, nach Medizinethikern, fraglich wie unabhängig die Vorberatung der Eltern stattgefunden hat und hier nicht ein Geschäft ohne realen Nutzen gemacht wurde.

Fazit
Dies kann wohl nur jedes werdende Elternpaar für sich selbst entscheiden. Tatsächlich überrascht uns die Zukunft mit immer neuen, positiven Errungenschaften. Auch müssen sich alle Anbieter im Bereich Nabelschnurlagerung Kontrollen und Auflagen unterwerfen, so dass von einer Seriosität der Unternehmen – ganz jenseits der ethischen Diskussionen – ausgegangen werden kann.

Informationen sind zu finden unter: vita34.de oder auch seracell.de sowie auf der Homepage der Interessengemeinschaft Kritische Bioethik Deutschlands, stammzellen-debatte.de



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